Die Stunde Null des Bitcoins

Wer bargeldlos zahlen will, braucht ein Bankkonto. Die Bank ist bei jeder Überweisung, Lastschrift und jeder Buchung die zentrale Schaltstelle. Sie garantiert dem Zahlungsempfänger, dass er sein Geld erhält. Eine Bank übernimmt bei Transaktionen das Risiko und gibt Sicherheit und Vertrauen. Beides ist unabdingbar für einen funktionierenden Zahlungsverkehr. Die Mittlerfunktion zwischen Sender und Empfänger gibt der Geschäftsbank die Macht über die Konten und den Zahlungsverkehr. Sie kann entscheiden, ob und wann die Transaktion stattfindet und zu welchen Gebühren. Die Noten- bzw. Zentralbank hat darüber hinaus die Möglichkeit, Zinssätze festzulegen und Banknoten zu drucken sowie in Umlauf zu bringen. Das verschafft ihr die Kontrolle über die Geldmenge und den Wert des Geldes.

Instabile Währungen und Finanzkrisen

Während das Bankensystem in stabilen Volkswirtschaften in der Regel gut funktioniert, gibt es insbesondere in Afrika und Südamerika Nationen, deren Währungen instabil sind. Das Geld verliert sozusagen über Nacht seinen Wert. Für viele Menschen weltweit wird es dadurch sehr schwierig, sich eine Existenz aufzubauen und zu sichern. Wie anfällig das von Banken dominierte System aber auch in stabilen Volkswirtschaften ist, hat die Weltfinanzkrise 2007/08 gezeigt. Die Krise hat vor Augen geführt, wie systemrelevant Banken sind, sodass deren Zusammenbruch zu enormen Verwerfungen sowie zu erheblichen finanziellen Schäden für die Gesellschaft führt.

Bitcoin als Alternative zum Bankensystem

2008 wurde im Internet unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto ein Dokument mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ veröffentlicht. Als Reaktion auf die durch Giralgeld verursachte Weltfinanzkrise 2007/08, beschrieb der Autor erstmals den Algorithmus des Bitcoins: die Blockchain. Er schrieb: „What is needed is an electronic payment system based on cryptographic proof instead of trust […]“ (Nakamoto 2008: 1). Die Identität des Autors ist bis heute unbekannt.

Anders als das Konzept von Währungen, die von Zentralbanken ausgegeben werden, entwickelte Nakamoto den Bitcoin auf Grundlage eines Verschlüsselungssystems. Im Gegensatz zum Bankensystem wird das Bitcoin-Netzwerk nicht von Finanzinstituten betrieben und weiterentwickelt. Stattdessen betreiben und sichern Computer, die sogenannten „Nodes“, die Bitcoin-Blockchain in einem globalen Peer-to-Peer-Netzwerk. Die Blockchain beruht auf einer Open-Source-Software und wird von Programmierern weltweit weiterentwickelt. Bitcoins besitzen die wünschenswerten Eigenschaften, die jeder von einem Zahlungsmittel erwartet. Sie sind, teilbar, unverwechselbar, tauschbar, nicht zu fälschen und begrenzt verfügbar (im Jahr 2140 werden alle 21 Mio. Bitcoins gemint sein). Ihre Wertbeständigkeit haben sie auch bei starken Schwankungen des Kurses bewiesen. Außerdem kann man sie ständig bei sich tragen, wie eine Geldbörse, in beliebiger Höhe auch über Landesgrenzen hinweg.

Neue Bitcoins müssen erst hergestellt werden

Für die Herstellung neuer Bitcoins sind die sogenannten „Miner“ (von engl. „to mine“, schürfen) zuständig. Miner sind Hochleistungscomputer, die Bitcoins minen, indem sie mit viel Rechenaufwand bestimmte, seltene Zufallscodes (Hashwerte) finden. Diese Codes werden benötigt, um die Blockchain Block für Block unveränderlich zu machen. Jeder, der selbst einen oder mehrere solcher Rechner betreibt, wird ebenfalls als Miner bezeichnet, das können beispielsweise Personen oder Unternehmen sein. Miner führen mit ihrer Rechenleistung die weltweite Transaktionsliste (die Blockchain) fort. Sie werden dafür vom System mit neuen Bitcoins bezahlt. Derzeit beläuft sich dieser Betrag auf 12,5 Bitcoins pro Block.

Bitcoin als gesellschaftliches Phänomen

Der Bitcoin ist kluge, digitale Technologie, Zahlungsmittel sowie gesellschaftliches Phänomen zugleich. Er ist so neuartig, dass er nicht in alten, gängigen Kategorien zu fassen ist. Er wird oft als „Kryptowährung“ bezeichnet, aber er ist keine klassische Währung, weil er von einer Notenbank weder ausgegeben noch kontrolliert wird. Bei Bitcoin-Transaktionen sind auch keine Geschäftsbanken oder andere Kreditinstitute involviert. Daher spricht man beim Bitcoin auch von einem dezentralen (Peer-to-Peer) Zahlungssystem.

Der Bitcoin verhält sich zum traditionellen Zahlungsverkehr ähnlich wie die E-Mail zum Briefversand. Bei einem Brief ist die Post der zwischengeschaltete Intermediär – bei der Zahlung ist es die Bank. Streikt die Post, wird kein Brief befördert. Briefe können außerdem verloren gehen, und die Post bestimmt das zu zahlende Beförderungsentgelt. Die E-Mail dagegen wechselt im Prinzip ohne die aufwendige Postinfrastruktur, genauso wie der Bitcoin, direkt zwischen Absender und Empfänger. Transaktionen mit konventionellen Währungen beruhen auf Vertrauen, das durch die Tätigkeit der Banken geschaffen wird. Auch im System Bitcoin müssen sich Sender und Empfänger vertrauen, damit eine Transaktion zustande kommt. Aber hier sind Banken überflüssig. Die Garantie, dass eine Bitcoin-Transaktion korrekt abläuft ist durch den Algorithmus des Bitcoin, also der Blockchain, gegeben.

Mit dem Bitcoin hat sich die Gesellschaft unabhängig von Regierungen, Geschäfts- und Notenbanken ihr eigenes Zahlungssystem geschaffen. Es ist ein Zahlungssystem, das jedem Menschen weltweit die Möglichkeit bietet, sich eigene finanzielle Sicherheit aufzubauen.

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Quellen

Bitcoin Wiki (2019). Bitcoin, unter: https://en.bitcoin.it/wiki/Main_Page (abgerufen am 17.01.2019).

Nakamoto, S. (2008). Bitcoin : A Peer-to-Peer Electronic Cash System, unter: https://bitcoin.org/bitcoin.pdf

Narayanan, A., Bonneau, J., Felten, E., Miller, A., & Goldfeder, S. (2016). Bitcoin and Cryptocurrency Technologies: A Comprehensive Introduction. Princeton, New Jersey: Princeton University Press.

Northern Bitcoin AG. (2018). Northern Bitcoin: Halbjahresbericht 2018.