Der Megatrend Bitcoin

Der Bitcoin ist dezentral organisiert. Das System wird von einem weltüberspannenden Netz von Nodes gebildet, die gleichberechtigt Funktionen übernehmen. Nodes sind alle an das Peer-to-Peer-Netzwerk angeschlossenen Knotenpunkte.

Also Computer, die miteinander kommunizieren. Dieses Prinzip gewährleistet unter anderem, dass das Zahlungssystem Bitcoin so sicher ist. Damit ist der Bitcoin auch ein Kind seiner Zeit, denn Dezentralisierung hat sich zu einem Megatrend entwickelt.

Megatrends verändern die Welt

Megatrends durchziehen alle Sektoren der Gesellschaft. Sie nehmen Einfluss auf gesellschaftliche Werte, auf Politik und Wirtschaft und dringen bis in die Lebenswelt des Einzelnen vor. Zukunftsforscher Mathias Horx bezeichnet Megatrends als „Veränderungsprozesse, die langfristig, nachhaltig und komplex die gesamte Welt verändern“, und er prägt dafür das Bild der „Lawinen in Zeitlupe“.

Das Institut für Trend- und Zukunftsforschung (ITZ), Heidelberg, definiert fünf große Megatrends: Dezentralisierung, Gesundheit, Globalisierung, Mobilität, Neo-Ökologie. Heruntergebrochen auf konkrete Fragestellungen spiegeln sich diese Trends in den Themen der aktuellen gesellschaftlichen Debatte wider. Wer heute eine Tageszeitung aufschlägt oder ein Newsportal liest, wird diese Themen auf jeder Seite finden.

Dezentralisierung, Konnektivität, Vernetzung

Bezogen auf den Megatrend Dezentralisierung zeigt sich, dass dieser einhergeht mit Gleichberechtigung auf der einen und Individualisierung auf der anderen Seite. Hierarchische, autoritäre Systeme, die zentral gesteuert werden, scheinen sich zumindest in westlichen Gesellschaften überlebt zu haben.

Horx spricht vom Megatrend Konnektivität, andere wiederum von Vernetzung. Zusammen mit der Dezentralisierung umschreiben sie das gleiche Phänomen. Die stärksten technischen Treiber dieser Entwicklung sind die Digitalisierung und das Internet als Kommunikationsmedium.

Die Dezentralisierung von Information findet auf breiter Basis in den sozialen Medien statt. Längst sind nicht mehr die klassischen Massenmedien die Gatekeeper der Information, sondern jeder hat inzwischen über Facebook, Twitter, Instagram und viele weitere Dienste die Möglichkeit, sich öffentlich zu äußern.

Wirtschaftliche Organisationen zeigen Dezentralisierung beispielsweise in ihren sogenannten „flachen Hierarchien“. Sie sind im Prinzip nichts anderes als die Dezentralisierung hierarchischer, zentraler Strukturen.

Auch die immer weiter verbreitete Praxis des Home-Office kann als sichtbare Dezentralisierung der Arbeitswelt gesehen werden. Die Entwicklung der Dezentralität auf dem Energiesektor bedeutet auf Erzeugerseite, die elektrische Energie dort zu erzeugen, wo sie verbraucht wird. Das führt zur Vermeidung von Leitungsverlusten. Der Trend gewinnt im Zuge der Energiewende zunehmend an Bedeutung.

Dezentrale Systeme sind stabil und sicher

Bitcoin ist ein weiteres Ergebnis dieses Megatrends. Die Blockchain macht die sogenannten „Trusted Third Parties“ überflüssig. Es sind die Institutionen, die die Interaktion zwischen zwei Parteien kontrollieren. Im Falle des Geldes, sind es die Zentral- und Geschäftsbanken. Durch das Prinzip der gleichberechtigten Nodes und dem Wegfall von Banken ist das System Bitcoin manipulationsresistent.

Fallen eine oder mehrere Nodes – aus welchen Gründen auch immer – aus, läuft das System Bitcoin ohne jede Beeinträchtigung weiter. Die Zahl der am System beteiligten Nodes ist ohnehin nicht konstant, sondern verändert sich ständig. Das ist an der Hashrate abzulesen, der gesamten Rechenleistung des Systems Bitcoin. Sie ist ständigen Schwankungen unterworfen.

Auch wenn Nodes Manipulationsversuche unternehmen und ungültige Transaktionen ins Netzwerk stellen würden, wäre das sofort offensichtlich. Denn Nodes als die Knotenpunkte des Bitcoin-Netzwerks, kontrollieren sich gegenseitig.

Gleichzeitig ist eine Zensur oder Manipulation von Transaktionen auch im Nachhinein ausgeschlossen. Die Kontrolle über das Netzwerk unterliegt nicht einzelnen Personen, Organisationen oder Interessensgruppen, sondern der Gesamtheit der Nodes und dem von ihnen betriebenen Algorithmus.

Ganz anderes ist das in einem zentralisierten System, das von einer Stelle aus kontrolliert wird. Wird dort die zentrale Stelle manipuliert, arbeitet sie fehlerhaft oder fällt ganz aus, hat das Konsequenzen für das gesamte System. Das hat sich in der großen Wirtschaftskrise gezeigt, die 2007 als Finanzkrise begann, in der die zentrale Funktion der Banken gestört war, beziehungsweise ausfiel.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass Goldman Sachs in einem Bericht mit dem Titel „The Future of Finance: Redefining The Way We Pay in the Next Decade“ den Bitcoin selbst als Teil eines technologischen Megatrends bezeichnet, der die grundlegenden Mechanismen von Transaktionen ändern könnte. 

Laut den dortigen Analysten ist der wesentlichste Einfluss von Bitcoin, dass er es ermöglicht, ohne eine zentrale Clearing-Behörde Vermögenswerte zu übertragen. „Verteilte Netzwerke sind aufgrund ihrer Open Source-Natur grundsätzlich sicherer und zuverlässiger, und es gibt keinen einzigen Ausfallpunkt“, stellt der Bericht fest. Der Bitcoin selbst gibt der Einschätzung von Goldman Sachs recht, denn der Bericht erschien bereits im Jahr 2015 und der Bitcoin ist inzwischen vier Jahre erfolgreich weitergewachsen.

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Quellen

Gastautor at NEWS BTC. (2015). Bitcoin is a Megatrend, says Goldman Sachs, unter: https://www.newsbtc.com/2015/03/12/bitcoin-is-a-megatrend-says-goldman-sachs/ (aufgerufen am 02.04.2019).

itz: Institut für Trend- und Zukunftsforschung. (2018). Über uns, unter: https://www.zukunftpassiert.de/über-uns/ (aufgerufen am 03.04.2019).

itz: Institut für Trend- und Zukunftsforschung. (2018). Megatrends, unter:  https://www.zukunftsinstitut.de/dossier/megatrends/ (aufgerufen am 03.04.2019).

Möser, M., & Pesch, P. (2015). Bitcoin: Auf Innovation programmiert: Kryptografische Währungen wie Bitcoin stehen für eine neue Ära digitaler Transaktionen – mit enormen Innovationspotenzialen, unter: https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/bitcoin-auf-innovation-programmiert/ (aufgerufen am 02.04.2019).