„Ausgeblüht“

Im Drucken von Blüten, also von falschen Banknoten, haben es Fälscherbanden zur Perfektion gebracht. Eine davon war der Lavender Hill Mob. Am Bitcoin würde sich die Bande jedoch die Zähne ausbeißen. In den 1990er-Jahren druckten der Londoner Ganove Stephen Jory, der Druckereibesitzer Kenneth Mainstone und Komplizen 20-Pfund-Noten.

Mithilfe damals bester verfügbarer Technologie trennten Jory und Mainstone den 20-Pfund-Schein elektronisch in 17 verschiedene Farben und reproduzierten diese mit einer Vierfarbdruckmaschine. Die Bande ging als „The Lavender Hill Mob“, benannt nach einem 50er-Jahre-Film, in die Geschichte der Geldfälschung ein.

Jorys „Blüten“ gelten als eine der überzeugendsten Fälschungen überhaupt. Insgesamt sollen er und seine Komplizen 50 Millionen Pfund an Falschgeld hergestellt und in Umlauf gebracht haben. Überführt wurde die Bande durch Zufall, als Scotland Yard in einem sichergestellten Sack Falschgeld den Schnipsel einer Werbung für eines von Mainstones Unternehmen fand.

Wie brillant die Fälschungen des Lavender Hill Mobs waren, zeigt sich letztendlich aber darin, dass die Bank of England im Nachgang die 20-Pfund-Note umgestaltete und ihr weitere Sicherheitsmerkmale hinzufügte.

Vergebliche Fälschungsmüh‘

Die Digitalisierung hat unterdessen erstmals fälschungssicheres Geld hervorgebracht: Den Bitcoin. Da er rein digital existiert, gibt es keine Bitcoin-Münzen oder -Scheine. Er wird weder gelagert noch bewacht oder transportiert, und es gibt nichts, was man physisch fälschen könnte. Auch nicht virtuell. Was aber macht den Bitcoin fälschungssicher?

Die Antwort liegt in seinem Algorithmus: Die Blockchain ist, wie der Name verrät, eine Kette von Blöcken. Auf jedem Block sind gültige Transaktionen aufgelistet, sodass in der Blockchain alle jemals durchgeführten Transaktionen gespeichert sind. Sobald ein Block erstellt und alle darauf gelisteten Transaktionen vom Netzwerk bestätigt wurden, schließt er sich wie ein Kettenglied mit seinem Vorgänger in der Kette zusammen. So wächst die Blockchain immer weiter. Die Blöcke können nicht voneinander getrennt werden.

Jedes Glied in der Kette, also jeder Block, trägt eine Identität, die ihn individuell macht. So etwas, wie ein Fingerabdruck. Das ist der Hash. Er ist eine vordefinierte Reihe von Buchstaben und Zahlen. Jeder Block enthält einen Teil des Hashes seines Vorgänger- oder „Elternblocks“. Wer irgendeine Manipulation der Blockchain beabsichtigt, die mit einer Fälschung vergleichbar wäre, müsste über mindestens 51 Prozent der Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerkes verfügen.

Da das Bitcoin-System auf Konsens beruht, wären 51 Prozent aller Miner im Netzwerk davon zu überzeugen, etwas Falsches zu unternehmen, das ihren Interessen entgegenliefe. Eine weitere Möglichkeit wäre die Kontrolle über 51 Prozent aller Miner weltweit. Aufgrund der Größe des Bitcoin-Netzwerkes und seiner weltweiten Vernetzung, sind beide Annahmen utopisch.

Sicher ist Geld nicht fälschungssicher

Warum wird Geld überhaupt so gerne gefälscht? Weil Bargeld weltweit als sicheres und anonymes Zahlungsmittel sehr beliebt ist. Deswegen ist die Geldfälscherei so alt wie das Geld selbst. Das zeigt der Begriff „Falschmünzer“. Er wird heute für alle Geldfälscher genutzt, doch er führt zum Anbeginn des Geldes zurück, als es noch kein Papiergeld, sondern nur Münzen gab, die bereits gefälscht wurden.

Die technischen Möglichkeiten der Geldfälscher nehmen stetig zu. Daher statten Zentralbanken die Geldscheine mit immer mehr raffinierten Sicherheitscharakteristika aus. Wie bei einer Koevolution schaukeln sich Geldfälschung und -sicherung in einer Art Aufrüstungsspirale gegenseitig hoch.

Während die erste D-Mark-Serie von 1948 zwei Sicherheitsmerkmale besaß, weist der 50-Euro-Schein heute nicht weniger als elf Sicherheitsattribute auf, die auf acht Techniken basieren: Notenwertwasserzeichen, Durchsichtsregister, Mikroschriftzüge, Stichtiefdruck und Kippeffekt. Letztendlich ist trotzdem keine Banknote fälschungssicher. Der 50-Euro-Schein ist der meist gefälschte Schein in Europa. 2018 wurden rund 560.000 Euroblüten aus dem Verkehr gezogen.

Opfer von Geldfälschung ist jeder, der Falschgeld bekommt und nicht erkennt. Wer eine „Blüte“ unwissentlich annimmt, wird um den aufgedruckten EUR-Betrag betrogen. Wer nachweisen kann, Falschgeld unwissentlich weitergegeben zu haben, geht in der Regel straffrei aus. Ansonsten droht eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr.

Ausgeblüht

Wenn auch noch in den Kinderschuhen, bietet der Bitcoin heute schon eine neuartige Ergänzung zu Zahlungssystemen, wie wir sie kennen, und eine sichere Alternative zum fälschbaren Bargeld. Während der Erfolg des Lavender Hill Mobs die Bank of England zu Veränderungen im Gelddruck bewegte, existieren beim Bitcoin noch nicht einmal Zentralbanken, geschweige denn Geldfälscherbanden.

Die Digitalisierung hat uns den Weg zu einem sicheren Zahlungssystem geebnet. Mit ihm fällt der Aufwand weg, scheinbar sicheres Bargeld herzustellen und zu verteilen, Blüten zu identifizieren sowie Geldfälscher zu enttarnen und dingfest zu machen. Mit dem Bitcoin hat sich‘s für Geldfälscher „ausgeblüht“.

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References

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